für Roland von Nieda

1.
Ein leises Wehen
in dem Raum
da Sagen ist

kein Hauch durchzieht dich
die Tür ist verschränkt

nichts ist
was du erwartest
was dich hält
ist taumelnd

2.
nichts was dich erwartet
deine Kraft ist erschöpft
im Sehnen

und alles Denken
stößt dich ab
hinab in diesen Kerker
aus dir selbst
der den Atem dir entzieht

3.
doch wo du es nicht erwartest
da kommt ein Hören
ein kleiner Hauch nur
ein leises Klopfen

Es ist da eine Tür
die dich innehalten läßt
es ist da noch ein Weg
der dich rasten läßt

4.
Tropft ein Regen
schlägt an die Scheibe der Nacht

Ein Strom ist erwacht
der dich durchs Dunkle führt

Aus dem du auftauchst langsam
wie ein Geist
der sein Zuhause
in einem Menschen fand

5.
Und es wird Stille sein
kein Blatt bewegt sich
wenn ich schweige

Alle Blätter werden rauschen
wenn ich spreche

ich werde sprechen
und ich werde sein

6.
Ein Klopfen an der Tür
das jemand spürte

Ein leises Wehen
das mich durchzieht

In einem Raum
da Sagen alles ist
und Sagen
eine Art von Seele

Herbert-Werner Mühlroth – 1998

Das Gedicht ist in dem Band des Autors „Der Mond tanzt Tango“, Edition Bärenklau enthalten.